Log #284 – Vanduul Tech Schmuggel

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Ich folgte gefährlichen Spuren der Vanduul-Technologie.


Ich staunte nicht schlecht, als ich das Verkaufsangebot sah: Vanduul-Cryo-Pods. Nachdem die Spur von Dr. Jorrits Experimenten mit Vanduul‑Technologie ins Nyx‑System geführt hatte, bat mich die Hockrow Agency, dort ein Auge auf möglichen Handel zu werfen. Volltreffer. Aber war es eine gute Idee, mich ohne Rückendeckung mit dem unbekannten Verkäufer zu treffen? Vermutlich nicht, aber ich musste mich beeilen, bevor das Angebot erlosch. Was konnte schon schiefgehen? Schwarzmarkthandel mit heißer Vanduul-Ware. Scheiß Idee, alleine zu gehen.

Auf dem Nyx-Pyro-Gateway betrat ich den Hangar von C3rb3rus. Bestimmt ein Deckname. 

“Hallo? Jemand da?”

Meine Stimme hallte. Schritte näherten sich. Ein Typ in schwerer Rüstung, geschlossener Helm, Gesicht nicht zu erkennen. Warum auch bei so einem Geschäft. Auch meine Kapuze war tief ins Gesicht gezogen.

“Du hast Interesse an den Vanduul-Cryo-Pods? Willst Du die Ware vorher sehen?”

“Auf jeden Fall.”

C3rb3rus, oder wie der Typ auch immer hieß, rief den Frachtaufzug. Rumpelnd ging das Tor auf. Fünf schwarz-rote Cryo-Pods mit Vanduul-Schriftzeichen. Ich ging näher – und blieb abrupt stehen. Verdammt! Damit hatte ich nicht gerechnet.

“Waschechte Vanduul. Woher hast Du die?”

“Wir waren auf einer Aufklärungs-Mission für InterSec in einer alten QV Planet Service Station. War ein heißes Eisen. Beim Anflug wurden wir von Vanduul angegriffen. In der Station gerieten wir in einen Hinterhalt. Die Dinger haben wir mitgenommen und nicht alle bei InterSec abgegeben.”

“Machst Du sowas öfters?”

“Ich bin Söldner. Ich nehm die Aufträge, wie sie kommen.”

Ich musterte C3rb3rus. 

“Hast welche an die ASD oder einen Dr. Jorrit verkauft?”

“Nein. Aber gehört hab ich schon von denen. Und willst Du sie? Ich verkaufe alle im Paket.”

Wir wickelten das Geschäft ab und tauschten Kontaktdaten. C3rb3rus wirkte erstaunlich umgänglich – und ich war jetzt Besitzer von fünf tiefgekühlten Vanduul. Völlig verrückt. Beim Verladen in die White Rabbit fiel mir etwas auf: Auf der Stirnseite der Pods stand ASD. Der Beweis für Jorrits Bezugsquelle.

Tags darauf traf ich Brubacker, Husky, Alaska und Pike in Levski an Bord von Huskys Carrack. Aufgeregt platzte ich los.

“Leute, ich hab eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Das müsst ihr sehen.”

“Keine Zeit Zero”, antwortete Brubacker knapp. “Wir müssen sofort aufbrechen. Dringender InterSec Aufklärungsauftrag. Schmuggel von Vanduul Technologie.”

Fassungslos schaute ich ihn an. Warum so wenig Interesse an dem, was ich hatte?

“Dann brecht auf. Ich muss mich erst um meine Entdeckung kümmern. Ich kann die nicht an Bord der White Rabbit liegen lassen.”

“Hat das etwas mit unserem Auftrag zu tun?”, wollte Alaska wissen.

“Ich denke schon”, sagte ich knapp.

„Schaut’s euch an“, schlug Husky vor. „Ich mache die Frost startklar.“

Eine Minute später standen wir vor einem der Cryo‑Pods. Die Reaktion der drei war Verhalten. Brubacker drängte zum Aufbruch. Beim Propheten – sah er nicht, was das bedeutete? Ich geriet aus der Balance, wurde wütend.

“Darf ich mich wenigstens umziehen?”, fauchte ich.

Wieder an Bord der Frost setze ich mich grummelnd in einen Geschützturm. Husky wollte wissen, woher ich die Pods hatte. Ich erzählte von C3rb3rus.

Dann brach ein Piratenschwarm über uns her. Die Carrack vibrierte unter Treffern, Warnanzeigen flackerten, wir wehrten uns mit allem, was wir hatten. Danach mussten wir für Reparaturen eine Raumstation anfliegen.

Erstaunt meldete sich Pike über Funk.

“In der Frost sind Pilze.”

Auch das noch. Wir eilten zu ihm. Molina‑Mold‑Pilzkörper sprossen an warmen Lüftungsrohren. Die teuflischen Finger der Epidemie hatten nach der Carrack gegriffen. Zum Glück hatte Husky das Antimykotikum in einen Feuerlöscher abgefüllt. Er desinfizierte alles, ich entsorgte die Pilze im Weltall.

Als wir endlich wieder Klar-Schiff waren, brachen wir auf zu den Koordinaten, die wir von InterSec bekommen hatten. Eine alte QV Planet Service Station, tief verborgen zwischen Asteroiden im Glaciem-Ring – ein ideales Versteck für Schmuggler. War es die Station, von der C3rb3rus erzählt hatte? Kein gutes Vorzeichen.

Angespannt saß ich im Geschützturm, beobachtete konzentriert die Umgebung. Husky steuerte die Frost in einem weiten Bogen um die Station. 

“Was leuchtet da?”, fragte Alaska. “Sind das Triebwerke?”

Dann brach die Hölle los. Mehrere Vanduul-Jäger fielen über uns her wie Fliegen über einen Haufen Ranta Dung. Husky koordinierte das Abwehrfeuer der Geschütztürme. Ein kurzes Gefecht, dann Stille. Wrackteile trieben an meiner Turm-Gondel vorbei.

“Ich will wissen, ob da wirklich Vanduul drin saßen”, sagte ich, verließ meinen Turm und die Carrack.

Leise schwebte ich durch das bläuliche Schimmern des Asteroidengürtels auf eine abgerissene Cockpit-Sektion zu. Für die atemberaubende Aussicht hatte ich keinen Blick. Ich zog meine Waffe, wagte einen Blick in das Cockpit – leer. 

Mein Griff um die Waffe wurde fester. In der Ferne, gegen das Licht, eine schemenhafte Gestalt. Lang, groß, zu groß für einen Menschen. Und dann … schaute ich einem Vanduul direkt in die Augen – in tote Augen. Mein Atem stockte.

Brubacker und Pike tauchten neben mir auf, betrachteten schweigend den Vanduul. Pike stupste ihn an. Die Gliedmaßen des Vanduul bewegten sich wie in einem Tanz, die Klauen an den Händen streiften fast meinen Helm.

“Ist er tot?”, fragte Alaska über Funk.

“Er bewegt sich”, antwortete ich.

Kurze Pause. Dann Pike: “Mausetot.”

“Damit macht man keine Scherze”, beschwerte sich Alaska. 

“Und jetzt?”, fragte ich. “Sollen wir ihn an Bord nehmen?”

Kein Widerspruch. Ich bugsierte den Körper mit dem Traktorstrahl durch die Luftschleuse und sperrte ihn in einen Schrank für EVA Anzüge – nur zur Sicherheit. Vorher nahm ich ihm ein Messer und einen Teil seines Körperpanzers ab.

Husky steuerte die Frost näher an die Station. Eine schwer beschädigte Polaris mit schädelartigem Logo war angedockt. Über einen Hangar gelangten wir in die Station. An den Wänden dieselben stilisierten Vanduul-Schädel. Kalt, gruselig.

Mit gezogenen Waffen rückten wir langsam vor, sicherten uns gegenseitig. Vom Empfangsbereich zu einer breiten Treppe ins Atrium. Flackerndes Licht, Knistern, Funkenflug. Oben steckte eine brennende Vanduul-Enterkapsel im Boden. Auf einem Ausleger war ein Mensch aufgespießt. Der Einschlag musste die ganze Station erschüttert haben. Die Vorstellung, wie der Vanduul Angriff ablief, ließ mich erzittern. Wie lange war der Angriff her? Würden wir in der Station auf Vanduul treffen? Ein Kloß bildete sich in meinem Hals.

Die Treppe hoch wären wir im Schussfeld gewesen. Keine Option. Ich kletterte seitlich eine Brüstung hoch, fand Deckung. Plötzlich Stimmen – von Menschen. Kämpfer, die Kommandos riefen, sich für einen Angriff formierten. Galt das uns oder den Vanduul?

Ein Pfeifen. Eine Kugel zischte an meinem Ohr vorbei. Antwort genug.

“Zero? Alles klar bei Dir?”, rief Husky.

“Ja. Hier ist Deckung. Ich kann aber niemanden sehen.”

Pike tauchte neben mir auf. Wir flankierten, gingen in einen Seitenraum. Plötzlich Alarm, ein Schott schloss sich. Wir waren eingesperrt. Auf der anderen Seite: Schüsse, Schreie. 

“Es sind zu viele. Wir müssen uns zurückziehen.”

“Pike und Zero sind eingesperrt. Wir müssen sie befreien”, antwortete Brubacker.

Pike und ich schauten uns an, konnten nichts machen. Quälende Minuten vergingen. Unentwegt Schüsse auf der anderen Seite des Tors. Pike lief wie ein Tiger auf und ab. Dann Husky im Funk.

“Da ist ein Wartungsraum und ein Hebel auf dem steht ‘Überbrückung’. Ich ziehe daran.“

Der Alarm verstummte, das Schott ging auf. Auf dem Boden tote Piraten mit Knochen an den Rüstungen. Was waren das für Typen? Ich packte Teile der Rüstung in meinen Rucksack. Dann stießen wir zu den anderen und zogen uns zurück. Die einzig sinnvolle Entscheidung.

An Bord der Frost brachten wir Abstand zwischen uns und die Station. Dann fiel uns ein: Wir hatten einen Passagier, den wir nicht nach Levski bringen konnten. Wir entsorgten den Vanduul durch die Luftschleuse. Sein Körper trieb einsam Richtung rotem Nebel – das Virgil‑System, seine Heimat.

Brubacker rief uns in die Messe.

“Unser Auftrag war aufzuklären, das haben wir gemacht”, führte er in ernstem Ton aus. “Mit dem Cryo-Pod haben wir auch einen Beweis und wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Um den Rest sollen sich die offiziellen Stellen kümmern. Zero, übergibst Du den Pod an Hockrow?”

Ich bestätigte. Dann betonte Brubacker, dass er kein Journalist mehr sei und seine Redaktion geschlossen wäre. Er würde nichts mehr an die Öffentlichkeit bringen. Mir war klar: Unser gemeinsamer Weg der Ermittlungen und Veröffentlichung von Skandalen war vorbei.

*

Einen Tag später traf ich einen Vertreter der Hockrow Agency. Er erklärte, die Piraten auf der Station seien die Shattered Blades – Schwarzmarkthändler für Vanduul‑Technologie und Jorrits Bezugsquelle. Den Handel auszutrocknen sei kaum möglich. Das Netzwerk sei zu verzweigt, verteilt über längst nicht mehr verzeichnete QV‑Stationen.

Für mich waren die Ermittlungen im Fall ASD abgeschlossen. Ich übergab den Vanduul‑Cryo‑Pod an den Hockrow-Agenten – einen von fünf.

Gedankenversunken stand ich vor der Statue von Anthony Tanaka und öffnete ein Rust. Was hatten wir mit unseren Ermittlungen erreicht? Jetzt und bei Skandalen davor. Wir hatten aufgeklärt, veröffentlicht – geändert hatte sich nichts. Chaos, Korruption und Ausbeutung blieben. Ich hatte mich in die Wüste zurückgezogen, weit weg von Skandalen, Krisen und Verpflichtungen. Für ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit. Doch Skandale und Verschwörungen holten mich ein. War es das wert?

Das große Rad der Zeit war zu gewaltig für einen wie mich. Es drehte sich unbeeindruckt von meinen Taten. Vielmehr würde es mich zermalmen. Besser, die Nischen zu besetzen und den Pfad des großen Rades zu meiden.

Die Worte von Gerald kamen mir in den Sinn: “In der Rust Society überlassen wir die Politik den Politikern.”

Der Weg der Rust Society. Das war mein Weg.