Log #301 – Eintrittskarte

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Ein Schiff sollte unseren Weg entlang der Spuren von Kylos Ermordung ebnen. Gingen wir durch die richtige Tür?


Patch City. Versifft, dreckig, heruntergekommen. Typisch Pyro. Wir saßen an einem runden Tisch zur Lagebesprechung. Spielkarten lagen darauf verstreut. Ich versuchte eine anzuheben. Sie klebte fest. Sofort ließ ich los und war froh über meine Handschuhe.

Zwiebus berichtete von seinen Ermittlungen in Levski.

“Cabassa hat Levski schon vor längerem Hals über Kopf verlassen. Einfach vom Arbeitsplatz aufgestanden und weg in Richtung Pyro. Ist nie wieder aufgetaucht.“

Cabassa. Der ehemalige Sicherheitschef. Zwiebus schien regelrecht besessen von ihm zu sein. Mir war das egal. Wir brauchten keine alten Geschichten, sondern mussten der Spur folgen, die wir in Jumptown aufgenommen hatten.

Ich wandte mich an Pike.

“Was hast du auf Gaslight herausbekommen?”

“Prospect Depot ist ein Umschlagplatz für illegale Waren. Ein heißes Pflaster.”

Ich nickte.

“Deckt sich mit meinen Erkenntnissen. Selbst die Rust Society hält Abstand. Ungeladene Gäste werden dort mit Blei empfangen.”

Frustrierte Blicke. Niemand sagte etwas. Das Grinsen konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen.

“Aber ich habe eine Eintrittskarte. Ein Raumschiff im Hangar auf einer Asteroiden Basis. Es bringt Rohstoffe für Drogen nach Prospect Depot, die auf Monox angebaut werden. Die Sache hat nur einen Hacken …”

Wieder frustrierte Blicke.

„… die werden uns das Schiff nicht freiwillig überlassen. Aber wenn wir es übernehmen, kommen wir ohne Schießerei nach Prospect Depot und können uns in Ruhe umsehen.“

Wenig später saßen wir in der Prowler Utility – dem Stealth Schiff, das mir die Rust Society schon bei einem früheren Auftrag geliehen hatte. Unbemerkt näherten wir uns einem  Asteroidenfeld, das in einer Gaswolke verborgen lag. Zwei kleinere Schiffe flogen Patrouille um einen Asteroiden mit Positionslichtern – unser Ziel. Nachdem wir die beiden Schiffe erledigt hatten, versteckten wir die Prowler in einer Mulde des Asteroiden und schwebten im EVA zum Eingang der Basis.

Vor der Luftschleuse trieben Trümmer und ein verlassenes Schiff. Kein gutes Zeichen. Die Luftschleuse war genauso heruntergekommen wie alles andere in Pyro. Kabel hingen von der Decke, Paneele fehlten, das schwache Licht flackerte. Durch eine Scheibe blickte ich ins Innere: Keine Bewegung.

Zischen. Dampf. Druckausgleich. Das innere Schott glitt zur Seite. Mit gezogenen Waffen rückten wir vor.

“Direkt voraus, das muss das Sicherheitsbüro sein. Da sollen die Zugangs-Codes für den Hangar liegen”, flüsterte ich.

Über verbogene Metallplatten und Gitterböden näherten wir uns dem Fenster des Büros. Vor uns teilte sich der Gang. Wir stoppten, lauschten – bedrückende Stille. Mein Atem ging ruhig. Zu ruhig. Ich war selbst überrascht.

Plötzlich eine Bewegung, links hinter einem Container. Ich hob die Armbrust, schaute durch das Zielfernrohr: ein Kopf. Leicht krümmte sich mein Zeigefinger. Ein leises Klacken. Mit einem Tsssss rauschte ein Pfeil auf den Kopf zu. Der Kopf kippte nach hinten und verschwand. Immer noch tödliche Stille. 

Lautlos ging ich weiter. Plötzlich krachte hinter mir ein Schuss. Ich zuckte zusammen. 

„Gut, dass ich den Sniper dabei habe“, sagte Pike trocken. „Da hinten war noch einer.“

Jetzt war ich doch angespannt, presste Luft aus meinen Lungen und ging weiter. Über einer Tür leuchtete ein Schriftzug: SECURITY. Pike ging hinein. 

“Alles versperrt, da geht es nicht weiter.”

Im selben Moment zerrissen Schüsse die Stille. Zwiebus kam angerannt. 

“Da sind noch mehr Typen!”

“Wir sichern erst die Ebene”, entschied Pike und marschierte los.

Wir erreichten einen Platz, von dem mehrere Durchgänge abzweigten. Überall Graffiti, Müll und Rost. In der Bar und dem Waffenladen schalteten wir weitere Gegner aus. Dann standen wir wieder vor dem Sicherheitsbüro.

Pike und Zwiebus untersuchten den Eingang, ich nahm die Fensterseite. Nichts. Kein Zugang. Frustriert trat ich gegen eine Flasche. Und jetzt? War es das gewesen? Ich verdrehte den Kopf und ließ ihn knackend in den Nacken fallen. Da stockte mir der Atem. Über mir fehlte eine Deckenpaneele – ein Zugang in einen Lüftungsschacht.

“Pike, Zwiebus, ich hab was gefunden.”

Beide kamen angerannt.

“Und wie kommen wir da hoch?”, fragte Zwiebus.

“Moment”, überlegte Pike. “Da hinten steht doch ein Container. Den können wir als Aufstiegshilfe nutzen.”

Kurzerhand positionierte er den Container mit dem Traktorstrahl unter dem Loch und kletterte als Erster hinauf.

“Stopp! Da sind Laser-Sprengfallen.”

Eine laute Explosion hallte durch die Basis.

“Ok, wir können weiter.”

Der ehemalige Security-Beamte wusste offenbar genau, was er tat.

Wir krochen durch einen schwach beleuchteten Schacht bis zu einer Öffnung. Einer nach dem anderen sprang hinunter. 

Das Sicherheitsbüro. Müll. Umgestürzte Schränke. Leere Waffen- und Munitionskisten. Das reinste Chaos. Dann entdeckte ich einen Zettel auf einem Tisch. Ein Code.

“Das muss er sein”, triumphierte ich.

“Und wie kommen wir wieder raus?”, fragte Pike.

Zwiebus deutete in eine Ecke.

„Da ist ein Loch nach unten. Allerdings sind Laserfallen im Weg.“

Pike drängte vorbei.

“Lass mich mal ran.”

Ein Schuß. Eine Explosion. Wir sprangen hinunter und landeten in einem Berg aus Müllsäcken. Zum Glück war mein Helm dicht. Das musste ekelhaft riechen. Im Gänsemarsch folgten wir einem engen Tunnel. 

Abrupt stoppten wir. Stimmen – direkt über uns. Die Explosion hatte offenbar die ganze Station alarmiert. Vorsichtig setzten wir einen Fuß vor den anderen. Leise, keine Aufmerksamkeit erregen. Wir erreichten eine Leiter. Pike stieg zuerst hinauf, dann Zwiebus. 

Ich folgte. Halbe Höhe. Da ratterte plötzlich eine automatische Waffe. Ich stockte, zog den Kopf ein. Sekunden später ertönte Pikes Stimme.

“Erledigt!”

Schließlich erreichten wir den Zugang zum Hangar. Das war der Moment. Die Eintrittskarte wartete. Ich schaute die anderen an – zögerte. Sie nickten. Ich gab den Code ein.

Wir betraten einen Vorraum. Ein Terminal, der Blick in den Hangar durch Container versperrt. Pike und Zwiebus sicherten, ich trat an das Terminal.

“Ich öffne das Hangartor. Dann können wir mit dem Schiff schnell raus.”

Metallisches Krachen hallte durch den Hangar. Die Sicherungsklammern lösten sich. Dann das schabende Geräusch der großen Hangar-Tore.

“Los! Beeilen wir uns!”

Wir bahnten uns einen Weg durch ein Labyrinth von Containern. Endlich, freier Blick auf das offene Hangartor. Draußen Asteroiden im braun-roten Schimmer der Gaswolken. Wo war das Raumschiff?

“Ich geh hoch und verschaffe mir einen Überblick.”

“Vorsicht!”, mahnte Pike. “Hier können noch Gegner sein.”

Die Metalltreppe schepperte bei jedem Schritt. Oben angekommen, ließ ich den Blick durch den Hangar wandern. Chaotisch herumstehende Container, Regale und Kisten. In der Mitte ein leerer Landeplatz. Der Stern Pyros warf einen warmen Lichtstrahl herein. Ich suchte weiter. Noch einmal. Dann noch einmal. Nichts. Mein Magen zog sich zusammen.

“Hier ist niemand!”, rief Zwiebus.

Aus dem Container-Labyrinth ertönte Pikes Stimme.

“Hier stehen Stockbetten. Spritzen. Drogen-Equipment.“

Wir trafen uns bei ihm.

“Scheint so, als ob sie das Zeug selber konsumieren. Sicher, dass von hier nach Prospect Depot geliefert wird?”

Alles für nichts. Mein ganzer Frust brach heraus.

“Keine Ahnung. Vielleicht waren die Infos veraltet. Vielleicht standen meine Informanten unter Drogen und ich bin einem Märchen hinterhergelaufen. Wie auch immer. Das hier war ein kompletter Reinfall. Hätten wir uns sparen können!”

“Es war ein Versuch wert”, beschwichtigte Zwiebus.

Pike wandte sich bereits zum Ausgang.

“Wir werden einen anderen Weg finden, um uns in Prospect Depot umzusehen. Los, zurück nach Patch City, bevor Verstärkung eintrifft.”

Ich folgte den beiden. Der Code war echt gewesen. Die Basis auch. Nur die Spur hatte im Nichts geendet.